Anderer Style ?

Krankheit



Einleitung

Ich habe lange überlegt, ob auf einer Homepage solch ein Thema angesprochen werden soll, ich habe mich dafür entschlossen, weil das Leiden genauso zu meinem Leben gehört wie alles andere, ich werde das Thema offen und emotionslos behandeln. Ich versuche nicht in Selbstmitleid zu versinken und will auch kein Mitleid. Viele, die diese Seite lesen, werden einiges wiedererkennen, andere werden sagen, "Stell dich nicht so an", Ok, jeder hat seine Meinung, aber "Ignoranten" und "Besserwisser", ihr könnt mich mal, denn ihr habt doch keine Ahnung.


Warum

Ja, warum eine Seite über meine Krankheiten, vielleicht möchte ich hier allen Betroffenen Mut machen, möchte ihnen zeigen, dass mit Ausdauer fast jedes Los zu ertragen ist. Natürlich gibt es schlimmeres und selbstverständlich empfindet jeder "seine" Krankheit als die schlimmste. Na klar, es ist so und ein "Gesunder" wird das nicht nachvollziehen können, aber vielleicht trägt diese kleine Geschichte dazu bei, dass wir "Bandis", wie wir liebevoll bezeichnet werden, besser verstanden werden.


Wie ging es los, diese Frage habe ich mir tausendmal gestellt, warum ich, auch diese Frage mindestens genauso oft, ich habe auch heute noch keine Antwort, aber ich bezweifel doch ganz stark, dass ich jemanden anderes dafür verantwortlich machen kann. Dumm gelaufen, oder wie kann man es sonst bezeichnen, ich weiß es nicht, also muss ich es so akzeptieren. Gut, versuche ich also mal, die Chronologie aufzuzeichnen. Begonnen hat es Anfang 1978, als ich auf See einen Unfall hatte, der mir den Aussenmeniskus abriss, was ich natürlich damals nicht ahnen konnte. Ich wurde zwar in Bangkok mit ein paar Spritzen behandelt, aber an etwas schlimmeres habe ich nicht gedacht. Ich merkte zwar, dass ich mich, um die Schmerzen ertragbar zu machen, immer mehr in eine Schonhaltung brachte, mass dem aber keine weiteren Gedanken zu. Habe weitergearbeitet und so wurden die Schmerzen einfach verdrängt. Im selben Jahr musste ich dann am Knie operiert werden und 1979, nur 4 Monate später noch einmal, da es durch die Fehlhaltung zu irreparablen Schädigungen am Innenmeniskus und den Kreuzbändern kam.
1981 war es dann soweit, dass ich durch eine kleine Bewegung einen tierischen Schmerz im Rücken verspürte, ok, dachte, na gut, Hexenschuss, kein Problem. Die nun aber folgenden 9 Monate waren die Hölle, der mich behandelnde, sogenannte "Wirbelsäulenspezialist" fing an, mir ein Kombipräparat zu spritzen, dessen Namen ich in diesem Leben nicht mehr vergessen werde, denn damit wurde ich fast zu Tode gespritzt. Dass die schmerstillende Wirkung immer kürzer und somit der Besuch in der Praxis immer häufiger wurde, das interessierte den guten Mann nicht, auch nicht, dass die Blase nicht mehr so richtig wollte und wenn, der Urin zunehmend immer mehr von Blut eingetrübt wurde, auch das war egal, nein, ich bekam zu hören, ich soll mich doch nicht so anstellen und das mit dem Blut im Urin würde ich mir einbilden.

Zu meinem Glück bin ich zusammengebrochen, kam mit dem Notarztwagen in's Krankenhaus, es wurde sofort eine Myelographie veranlasst und so lag ich am nächsten Tag schon auf dem Tisch. Ein Mitpatient prognostizierte mir später, dass ich nun eine Dauerkarte ordern könnte, denn nun würden wir uns im Abstand von 2 Jahren regelmäßig hier treffen. Ich habe das als puren Blödsinn abgetan, habe mich aber gewundert, dass zwar die Fehlhaltung beseitigt war, die Schmerzen aber an Intensivität nichts verloren hatten. Gut, Blut im Urin hatte ich auch nicht mehr, aber die Blasenprobleme blieben.
In den folgenden Jahren lief ich von Arzt zu Arzt, keiner konnte sich erklären, warum die Probleme nicht weniger wurden. Meine Psyche war mittlerweile auch schon sehr angekratzt, Kontakt zu meinem Sohn fand ich nicht und so kam ich in einen Teufelskreis, der auch durch Scheidung und Auszug nicht durchbrochen werden konnte. Vielleicht mache ich es mir heute einfach, wenn ich sage, das alles sei auf den Rücken zur schieben, aber es mit einem Schmerzpatienten auszuhalten, ist bestimmt nicht einfach.
1986 dann die 2. Op, wieder selbe Höhe, dabei wurde so nebenbei festgestellt, dass meine Beschwerden auf mittlerweile zerstörte Nerven zurückzuführen sind. Also doch kein Hypochonder, was für ein Glück. Auf die Frage, warum keine Versteifung, wurde mir gesagt, dafür sei ich noch viel zu jung, zurückblickend hätte ich vielleicht darauf bestehen sollen, eventuell wären mir dann die Operationen im Januar 2004 erspart worden. Nun also zum 3. mal die selbe Höhe und he, was neues, 10 Tage später die darunterliegende Ebene.

Wie ist es jetzt, nun, es wurde festgestellt, dass mittlerweile 3 Bandscheiben kaputt sind, es müssen somit 3 Segmente versteift werden. Mittlerweile habe ich den OP-Termin erfahren, Anfang Februar geht es ab nach Neustadt, Holstein, die auf diesem Gebiet führend sind. Einchecken am 04.02.2008, einen Tag später Diskografie und wieder einen Tag später dann die OP, schaun wir mal, wie es dann weitergeht.... Der Ischias wird massiv bedrängt, kann seit Anfang Juli 2007 nicht mehr richtig auftreten und ist jetzt so schlimm geworden, dass ich nur noch mit Medis Einkaufen gehen kann.
Ich habe 2000 meine Familie endgültig verlassen und lebe allein. Ich geh nicht raus, verkrieche mich in meiner Höhle und warte darauf, endlich in's Krankenhaus zu kommen. Die Wartezeit bis Februar vertreibe ich mir notgedrungen mit Besuchen bei meinen Ärzten, aber nur, um neue Medi's zu holen.

Die wichtigsten Menschen sind meine Mutter, die am Telefon immer merkt, wenn etwas nicht stimmt und die mir dann wieder sagt, da muß noch was an ihrer Homepage gemacht werden....mein Freund Mathias aus Hannover, mit dem ich mich mindestens 1 mal im Jahr treffe und der mich mit seiner ruhigen und sachlichen Art immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, dann ist da noch Edith, eine Einrichtungsleiterin, die jetzt in Bayern als PDL arbeitet, aber hoffentlich bald in ihrer Heimatstadt Leipzig wieder als EL.
Edith, die auch jetzt wieder enttäuscht sein wird, weil es immer noch kein Bild von mir gibt und die ich auch heute noch mit ihrem "PC-Führerschein" foppen kann. Aber Edith, wie ich dir vor vielen Jahren schon sagte, ich sehe immer noch aus wie die Mischung zwischen Arnold Schwarzenegger und Albert Einstein, mit anderen Worten, ich habe den Körper von Albert und das Hirn von.....

Inzwischen habe ich noch ein paar andere Kontakte aufgebaut, die mir mittlerweile sehr wichtig geworden sind, obwohl ich eigentlich niemanden an mich rankommen lassen wollte, aber Mario, seine Frau Christiane und sein Bruder Daniel geben mir einfach das Gefühl, nicht aus Mitleid den Kontakt zu mir aufgebaut zu haben. Aus dem Bandscheibenforum habe ich Margherita kennengelernt, die ein ähnliches Los wie ich hat und der ich ein klein wenig Mut machen konnte, sie hatte am 10.10.2007 ihre Versteifung und ich wünsche ihr alles Gute. Wird schon schiefgehen.

Margherita
Il dramma della vita è che conosciamo tutte le cose nel cuore, ma agiamo con la mente 'razionalmente', creando problemi che non esistono in verità. A volte rifiutiamo di passare per una porta aperta e proviamo la strada attraverso le mura, perché ci sembra la più facile.

Ja, nun ist der 13.Februar, ich bin zu Hause statt im Krankenhaus zu liegen und verstehe die Welt nicht mehr. Doch der Reihe nach. Mario hat mich also am 4.Februar nach Neustadt in's Krankenhaus gefahren, nach 3 Stunden wurde ich sogar richtig aufgenommen, das heißt, Blutabnahme, Gespräch mit dem Stationsarzt usw. Der Tag verlief normal, am Nachmittag wurde noch eine "normale" Röntgenaufnahme gemacht, die Visite mit Chefarzt, habe ihn da kurz gesehen, fragte, wie es mir geht, mehr passierte nicht, obwohl, nein, ich habe im Gespräch mit dem Stationsarzt nochmals gesagt, dass ich nicht verstehe, warum die Diskografie gemacht werden muss, denn die Schmerzen im Unterleib, die auf L3/4 hindeuten, sind ja da. Er hat mich dann aber doch überzeugt, dass es sinnvoll ist, die Schwere der Beeinträchtigung festzustellen und so wartete ich also auf den nächsten Tag, an dem die Diskografie stattfinden sollte.
Dieser Tag wird wohl als einer der schlimmsten Tage in meinem Gedächtnis bleiben, aber auch hier der Reihe nach. Morgens um kurz nach 7:00 Uhr kam die Visite, Stationsarzt und Schwester, 2 Minuten, und weg waren sie. Habe kurz danach den Arzt auf dem Flur gesehen und ihn gefragt, wann denn der Termin zum Röntgen ist, hm, keine Antwort, ok, Stress. Bis zum Mittag habe ich ihn dann noch 5 mal gesehen, mal sagte er, dass er mit dem Chef gesprochen hat, doch meistens sagte er mir, "ich habe Sie nicht vergessen, ich komme gleich zu Ihnen"....Nach dem Mittagessen habe ich ihn wiedergesehen und er sagte, er würde nur noch auf den Oberarzt warten, dann kommt er......
Ja, und dann kam er tatsächlich, zusammen mit dem Oberarzt,
der mir als erstes mitteilte, dass der Chef beschlossen hat, dass ich nicht operiert werde.....weil, so die Aussage, "die Beinschmerzen durch die OP nicht beseitigt werden".
Ich war wie vor den Kopf geschlagen und sagte, ja aber es geht doch nicht um die Schmerzen in den Beinen, sondern um die Stabilität des Rückens.
Nachdem mir der Oberarzt die Entscheidung des Chef's noch 2 mal mitteilte und mir dann, sozusagen als kleinen "Bonus" anbot, ich könnte ja noch ein paar Infiltrationen bekommen, die ich dankend ablehnte, habe ich meine Tasche wieder gepackt und, das könnt ihr mir glauben, so schnell habt ihr noch nie gesehen, wie eine Tasche gepackt wurde und bin nach draussen. Habe Mario angerufen, der alles stehen und liegen ließ, um mich wieder abzuholen. Als ich dann meine Papiere abholte, sagte mir der Stationsarzt, dass er und auch der Oberarzt diese Entscheidung nicht verstehen, sie hätten mich operiert, so seine Aussage, ob die nur kam, um mich zu beruhigen, lasse ich mal dahin gestellt, mir kam es aber sehr ehrlich vor.
Ja, soweit zu meinem Aufenthalt in Neustadt, ich habe am 6.Februar eine Mail an das Patientenfeedback des Krankenhauses mit Kopie an die Hauptverwaltung geschickt, die mir in sofern beantwortet wurde, dass die Mail an den Chefarzt weitergeleitet wird und er um eine Stellungnahme gebeten wird, doch warum soll sich so ein Mensch rechtfertigen? Ich darf also wieder anfangen, ein Krankenhaus zu suchen, der ganze Müll geht also von vorn los.

Ach ja, mittlerweile war ich am 8.Februar bei einem Neurochirurgen, der, um es kurz zu machen, mir anbot, mich für die Summe von 2000€ gesund zu machen, diese Summe, weil die Krankenkassen das nicht bezahlen und die Ärzte in den Krankenhäusern ja keine Ahnung haben und immer sofort versteifen.....
Ich denke, ihr versteht, dass ich das unkommentiert lasse, denn auf meine Frage, welcher Spiegel an seinem 600'er noch nicht bezahlt ist, wurde ich gebeten, die Praxis zu verlassen....

Heute ist der 03.März, habe sehr starke Schmerzen, will aber trotzdem kurz berichten, wie es weitergeht.
Ich war am 25. Februar zu einer Untersuchung bei Prof. Rischke in Pinneberg, der dort aber nicht mehr operiert, als er meine MRT's gesehen hat, ist er doch etwas zusammengezuckt und nun werde ich also in Berlin operiert, na ja, mir soll es recht sein. Warte jetzt also, dass ich einen Termin für Berlin bekomme.
Mein Orthopäde hat mir dringends davon abgeraten, mich von Prof. Rischke operieren zu lassen und erklärte mir, dass er sich mit, so wie er sagte, ein paar Kollegen über "meinen" Fall unterhalten will. Habe am 16. März gewagt, mal in der Praxis vorbeizuschauen, ob es denn schon etwas neues gibt, wurde daraufhin sehr unwirsch von der Azubi darauf hingewiesen, dass alle (ausser Ihr) im Urlaub sind und ich frühstens ab 26. März wieder mal anrufen darf. Gut, habe ich gemacht und siehe da, am 31. März wurde mir, nachdem ich morgens angerufen habe, abends um 17:10 Uhr mitgeteilt, dass ich mir einen Termin bei einem Arzt holen soll. Schade ist nur, dass besagter Arzt in diesem Krankenhaus schon seit 2 Jahren nicht mehr tätig ist. Ich bin dann am 1. April morgens zur Praxis gefahren, weil es mich doch interessierte, wie sich mein Ortho mit einem unterhalten kann, der gar nicht mehr da ist. Habe diese Frage der anderen Artzhelferin gestellt, die mich am Vortag angerufen hatte, woraufhin Ihre Kollegin mir freudestrahlend erzählte, dass der Arzt doch in einem anderen Krankenhaus arbeitet, als in dem von Ihrer Kollegin durchgegebenen, er doch aber eigentlich aus Altersgründen gar nicht mehr praktiziert....
Ähhh, hallo !!!! Mein Orthopäde, der mich im Flur stehen sah, bat mich zu einer kurzen Unterredung in eines seiner Besprechungszimmer wo ich Ihn dann bat, mir diesen Aprilscherz doch zu erklären, nein nein, kein Scherz, ich soll mich mit diesem Arzt unterhalten, der mir dann sagen will, was ich machen soll. Er hat dann veranlasst, dass eine seiner Helferinnen mir einen Termin für den 9.April besorgt, aber..

Vielleicht hat die Sache nun endlich ein Ende, denn heute ist der 22. April 2008 und ich bin seit gestern Mittag wieder zu Hause, zwar fehlt mir jetzt eine Bandscheibe, dafür habe ich jetzt stattdessen ein Implantat, aber ich will kurz die Storie erzählen.
Ich wurde am 01.April auf dem Handy angerufen und nachdem ich sicher war, das es kein Aprilscherz war, wählte ich als nächstmöglichen OP-Termin den 9. April aus, Dani hat mich am 8.April nach Berlin gefahren und mich gestern auch wieder abgeholt. Daniel, dafür hast du dir mehr als nur ein Essen verdient, nochmals dir und Mario ein ganz dickes Dankeschön.
Über den Aufenthalt in Berlin siehe DRK Westend

Nach der Op bin ich in die Reha gefahren und habe mir doch tatsächlich am vorletzten Tag einen erneuten Vorfall zugezogen, dieses mal an L5/S1, der am 08.Juli wiederum in Berlin operiert wurde. So, nun habe ich also 2 Implatate, am Flughafen ist es am piepen aber sonst geht es recht gut, vor allem, da ich weiß, dass ich an den beiden Stellen keinen Vorfall mehr bekommen kann. Wenn jetzt die Implantate noch an der Stelle bleiben und nicht in den Knochen versinken, kann ich also recht glücklich sein......

Fazit

Bitte lassen Sie mich ein kleines Fazit ziehen. Ich persönlich finde es unverantwortlich, dass wir von vielen Menschen, Kollegen, Freunden und Ärzten sehr oft als psychisch krank klassifiziert werden, teilweise als Hypochonder abgetan und im schlimmstenn Fall einfach nur links liegen gelassen werden.
Ich möchte hier in diesem Zusammenhang auf das Forum Die Bandscheibe hinweisen, in dem beispiellos von Betroffenen Ratschläge, Hilfe und vor allem Trost vermittelt wird....Hee, ihr tollen Bandi's aus dem Forum, alles Liebe an euch......